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Kinderbuch

„Der Grashalm“

Leseprobe

Ein Grassamen lag neben einem Apfelputz auf der Erde und langweilte sich.
Da wehte eine leichte Brise ein kleines rundliches Samenkorn direkt vor seine Nase. „Wo kommst du denn her?“ fragte der Grassamen neugierig.
„Ich war gefangen in einer finsteren Kapsel, aber eines Tages ging sie auf und ich fiel auf die Erde. Jetzt trägt der Wind mich von einem Ort zum anderen.“ „Du warst in einer Kapsel und bist durch das Weltall geflogen?“
Ein dicker, fetter Regenwurm wälzte sich aus der Erde:“ Ihr beiden da drüben, ihr solltet euch lieber in Acht nehmen! Oder wollt ihr von den Vögeln gefressen werden? Macht es so wie ich und vergrabt euch unter die Erde, bevor es zu spät ist!“
Der Himmel verdunkelte sich, schwere Gewitterwolken zogen auf. Große Tropfen fielen auf die Erde, langsam wurden es immer mehr und bald regnete es in Strömen.
Die beiden Samenkörner verschwanden in der aufgeweichten Erde. Über ihnen blitzte und donnerte es. Zwei Frösche hüpften quakend von einer Pfütze zur nächsten und spritzten sich von oben bis unten voll.
Alles war voll Matsch und Schlamm.
Der Marienkäfer hatte keine Freude mit dem vielen Nass, er verkroch sich unter einem Löwenzahnblatt und wartete bis die Sonne wieder zum Vorschein kam.
Viele Tage vergingen.
Der Regenwurm wühlte sich durch die dunkle, feuchte Erde und merkte, wie der Grassamen anfing, sich zu recken und zu strecken. Eines Tages lugte etwas Grünes aus der Erde hervor. Zum ersten Mal spürte der Grashalm die warmen Sonnenstrahlen.
Jeden Tag wuchs er ein bisschen mehr. Er schaukelte im Wind und fühlte sich stark und wundervoll. Morgens trank er frischen Tau und abends wippte er zum Gezirpe der Grillen.
„Ich bin einzigartig!“ dachte er. „Ich habe das schönste Grün, das man sich vorstellen kann und ich bin pfiffig und wendig wie sonst keiner.“ Mit dem nächsten Windhauch warf er seinen Kopf zurück und blickte in den
fernen Himmel. Plötzlich spürte er ein seltsames Kribbeln.
Ein Marienkäfer setzte seine schwarzen Füße auf das helle Grün. „He du, was hast du vor?“ rief der Grashalm entsetzt.
„Ich will an dir hochkrabbeln. Du wippst so wunderbar, dass ich von dir da oben bis zum Kirschbaum fliegen kann, vielleicht noch weiter!“ jubelte der Marienkäfer begeistert.
„Was fällt dir ein! Siehst du nicht, dass ich etwas Besonderes bin?“
Aufgeregt flatterte der Grashalm mit seinen Armen so heftig, dass der Marienkäfer auf den Rücken fiel.
„Papperlapapp!“ keuchte der Marienkäfer, während er sich am Grashalm festhielt, „solche wie dich gibt es 1000fach! Schau dich doch nur um!!“
Der Grashalm sah sich um. Der Marienkäfer hatte recht. Rundherum gab es solche wie ihn.
Manche etwas kleiner, manche etwas größer als er selbst. Er war nur einer von vielen. Das machte den Grashalm sehr traurig. Wenn der Wind pfiff, neigten sich alle zur Seite, so wie er und sein Glitzern im Morgentau war nicht schöner als das Glitzern der vielen 1000 Grashalme auf der großen Wiese.
Währenddessen fing unter der Erde das kleine rundliche Samenkorn an, sich zu recken und zu strecken. Beinahe unbemerkt suchte es seinen Weg ans Tageslicht. Jeden Tag wuchs die kleine Akelei ein bisschen mehr. Sie bekam rundliche breite Blätter.
Damit fächerte sie dem Grashalm zu, wenn mittags die Sonne erbarmungslos herniederbrannte und eine kleine Abkühlung guttat. Doch der hochgewachsene Grashalm nahm davon keine Notiz…….

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